Nach dem Lockdown: Gastronomie und Handel werden mit effizienteren Prozessen wieder eröffnen

Interview mit Jochen Werne, CDO/CVO Prosegur Germany, zu effizienteren Prozessen nach dem Lockdown

In seinem Experten-Interview beleuchtet Jochen Werne zentrale Aspekte aus Sicht von Gastronomie und Handel für effizientere Prozesse nach dem Lockdown

Publiziert von Prosegur Deutschland: LINK HIER

Herr Werne, was sind Ihre persönlichen Beobachtungen in Bezug auf Wirtschaft und Gesellschaft nach einem Jahr der Krise?

Jede Krise bringt natürlich zunächst einmal Leid mit sich und eine Pandemie selbstverständlich Leid für den Einzelnen und seine Angehörigen, wenn ihn das Schicksal, der durch das Virus ausgelösten Krankheit ereilt. Alles Weitere ist wie eine Kettenreaktion. Beginnend vom Staat, der die hoheitliche Aufgabe hat seine Bürger zu schützen und dies im Falle einer Pandemie auch mit dem Herunterfahren des gesellschaftlichen Lebens durchsetzt. Dies wiederum hat bei geschlossenen Unternehmen die Folge drastischer Einkommenseinbußen bei weiterlaufenden Kosten. Bei nicht ausreichender Liquidität führt dies dann zu Insolvenzen, Arbeitsplatzverlusten und im schlimmsten Fall zu einer Wirtschaftskrise. Geschichtlich gesehen hat jedoch auch jede Krise – und diese ist keine Ausnahme – dazu geführt, dass die Wirtschaft effizienter wird und technologische Trends eine Beschleunigung erfahren.

Im Moment – in dieser für viele so schwierigen Situation – beobachte ich eine unglaubliche und inspirierende Kreativität. Sie beginnt bei den kleinen und mittelständischen Unternehmen, die sich versuchen agil, der gefühlt täglich neuen Lage anzupassen, sich zu verbessern, Kosten zu optimieren und sich optimal für die Zeit nach der Krise aufzustellen. Das stimmt hoffnungsfroh für die Zeit nach der Krise und es ist eine große Motivation mit einem fantastischen Team den eigenen Teil dazu beitragen zu können.

Jede Krise fordert von Unternehmen eine gewisse Resilienz. Die nationale Akademie der Technikwissenschaften (acatech), hat zum Digitalgipfel der Bundesregierung im November ein Impulspapier mit dem Titel „Resiliente Vorreiter“ vorgestellt. Darin wird Prosegur mit deiner digitalen Smart Cash Lösung als Best Practice Besipiel für ein zukunftsgerichtetes und kostenoptiertes Cash Managment für den Handel und die Gastronomie genannt. Wie funktioniert Prosegur Smart Cash?

Link zum acatech-Impulspapuer

Mit Prosegur Smart Cash können Gastronomen, Einzel- oder Großhändler Bargelder zur sicheren Verwahrung direkt in das Smart Cash Gerät einführen. Das Besondere – im Gegensatz zu einem einfachen Tresor ist es, dass einmal eingeführt, das Gerät automatisch das tägliche Zählen und Abrechnen des Bargeldes übernimmt. Die Zeit- und somit Kostenersparnis in den internen Prozessen bei unseren Kunden ist teilweise beträchtlich. Das Gerät verfügt über ein Kommunikationsprotokoll, das die Überweisung des Wertes der Abholung auf das Bankkonto des Kunden innerhalb von 24 Stunden ermöglicht. Sobald sich das Geld im Gerät befindet, liegt die Verantwortung und Verwaltung bei dem spezialisierten Team von Prosegur Cash, das für den Transport und die Verwahrung des Geldes zur Bankfiliale verantwortlich ist. Somit entfällt auch der teilweise tägliche und nicht ungefährliche Gang zur Bankfiliale.

Was sind die Vorteile von Prosegur Smart Cash?

Zusammengefasst spart es unseren Kunden Zeit und Geld und schafft mehr Transparenz und Sicherheit. Die Kunden von Prosegur Smart Cash können ihr Bargeld schnell und sicher aufbewahren und so unbekannte Verluste reduzieren. Prosegur Smart Cash ermöglicht eine Zeitersparnis durch die Automatisierung des Zählens und bei der täglichen Abrechnung des Bargeldes. Darüber hinaus muss der Kunde dank Prosegur Smart Cash nicht zur Bank gehen, um das Bargeld einzuzahlen, da Prosegur für die Sicherheit bei der Verwaltung und Übergabe des gesamten Bargelds an die Bank sorgt, was gefährliche Situationen für den Kunden vermeidet und ihm hilft, Zeit zu sparen, damit er sich voll und ganz seinem Geschäft widmen kann. Außerdem reduziert eine Smart Cash Lösung das häufige und teure Phänomen des sogenannten „unbekannten Verlustes“.

Was ist „Unbekannter Verlust“?

Jochen Werne: Hierbei handelt sich um den Verlust von Inventar oder anderen Geschäftsressourcen, der auf eine Vielzahl von Faktoren zurückzuführen ist, wie z. B. interner und externer Diebstahl, Verwaltungsversagen, Betrug oder Fehler im Cashflow. Diese Situation stellt für Gastronomen und Einzelhändler oftmals ein zentrales Problem dar.

Was beobachten Sie, in Bezug auf ihre Kunden und wie sich diese auf die Zeit nach dem Lockdown vorbereiten?

Jochen Werne: Es ist eine unglaubliche Sehnsucht zu beobachten, endlich wieder mit seinen Kunden in Kontakt treten zu dürfen, um Ihnen wieder leidenschaftlich die eigenen Leistungen und Services bieten zu dürfen. Viele Kleine und mittelständische Unternehmen, von den großen ganz abgesehen, haben massiv in Hygienekonzepte investiert und versucht die Zeit zu nutzen um die eigenen Prozesse zu kostenoptimieren.

Wir selbst haben noch nie so viele Beratungsgespräche in Bezug auf smarte Bargeldlösungen geführt wie heute. Dies hat sich noch einmal erhöht, nachdem deutliche Aussagen und Studien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Bundesbank darauf hinwiesen, dass die hygienische Sauberkeit vom Bargeld mindestens gleich dem von Kartenzahlungen ist und eine Ansteckungsgefahr in Bezug auf unsere täglichen Bezahlmethoden in beiden Fällen geringst ist.

Interessanterweise haben wir auch eine hohe Nachfrage nach Effizienzhebung bei Unternehmen mit kleinem Bargeldaufkommen festgestellt und die Zeit genutzt um als erstes Unternehmen in Deutschland auch für diese Gruppe eine entsprechende sehr kostengünstige digitalte Lösungen zu entwickeln. Eine Krise zwingt immer alle effizienter zu werden und es gibt meiner Meinung nach nichts besseres, als dies gemeinsam zu tun. Nur so schafft man es gemeinsam aus einer Krise gestärkt hervor zu gehen.

Human. Digital. Culture. Unser Leben in Zeiten exponentieller Technologien

16. Januar 2019 – Autor: Jochen Werne

Fast täglich wird von Experten in den Medien versucht für uns eine geschichtliche Analogie herzustellen, um die Dynamik und Geschwindigkeit zu erklären, mit der sich heute Veränderungen auf allen Ebenen unseres Lebens – vom privaten Konsum, unserer Arbeitswelt bis hin zu internationaler Politik – vollziehen. Oftmals werden hierfür Vergleiche zu den 1930ern oder 70ern gezogen. Der bekannte britische Historiker und Harvard Professor Niall Ferguson widerspricht diesen Vergleichen und sieht eine Analogie vielmehr in den Effekten, die die Erfindung der Druckerpresse im 15. Jahrhundert auf unser Leben und auf unsere Gesellschaft hatte. Nur, dass sich heute die Veränderungen durch exponentielle Technologien und das Internet wesentlich schneller vollziehen. Für uns Menschen – also den HUMAN Factor – sind diese Vergleiche unglaublich wichtig. Sie helfen uns in Zeiten der Unsicherheit, die Veränderungen besser einschätzen zu können und somit zumindest ein gewisses beruhigendes Gefühl der Sicherheit und Erklärbarkeit zu erhalten. Wenn es uns jedoch nicht gelingt in Zeiten von Social Media und medialem „information overload“ die richtigen Filter zu setzen, laufen wir Gefahr, dass sich dieses Gefühl des Verständnisses nicht einstellt und wir allzu leicht Opfer vermeintlich einfacher Erklärungen und „Fake News“ werden. Dass dies kein neues Phänomen ist und gravierende technologische Veränderungen auch große und oftmals turbulente Veränderungen auf die Gesellschaft mit sich brachten, macht Ferguson an einem prägnanten Beispiel fest. In Zeiten der Erfindung des Buchdrucks kam es zu einer  kostengünstigeren Verbreitung von Wissen und somit zur Möglichkeit, dass breite Bevölkerungsschichten Zugang zu höherer Bildung erlangten. Eines der ersten in großer Auflage gedruckten Werke war die Bibel. Doch erlangten auch andere Schriften, wie „Malleus Maleficarum“ oder zu deutsch der Hexenhammer Berühmtheit. Das eindeutige „Fake News Werk“ diente zur Rechtfertigung der Hexenverfolgung, erschien in 29 Auflagen und belegte für immerhin 200 Jahre den zweiten Platz der Bücherbestsellerliste. 

Spätestens seit Ende der 90er Jahre, seit der massenhaften „Demokratisierung“ des Internets, ist unser aller Leben durch den exponentiellen Fortschritt moderner Technologien geprägt. Die damit einhergehende Digitalisierung – also der DIGITAL Factor – ist nicht nur eine technische und ökonomische Herausforderung, sondern vor allem auch eine gesellschaftliche. Dass der aufgeklärte Mensch jedoch beginnt, nicht alles einfach unreflektiert hinzunehmen, was eine an Aldous Huxley erinnernde „Schöne neue Welt“ zu versprechen scheint, zeigen Bürgerprojekte, wie die sogenannte „Charta der Digitalen Grundrechte“ der Europäischen Union. 

Bereits im Wort „exponentiell“ verbirgt sich automatisch die logische Schlussfolgerung, dass sich Veränderungen in Zukunft noch schneller vollziehen werden. Diese Veränderungen betreffen nahezu jede Branche und was heute ein milliardenschwerer Zukunftsmarkt ist,kann morgen schnell zu einem Basisgeschäft mit deutlich geringeren Kosten und somit auch deutlich geringeren Gewinnmargen werden. Der Kamera-Chip unserer Smartphones kostet heute nur noch rund zwei bis drei Euro, ein Spotify-Abo, und somit der Zugriff auf eine unfassbar große Menge an Musik, nur wenige Euro im Monat. 

Die Schlussfolgerung für Unternehmen im 21. Jahrhundert ist sichtlich einfach: Wer diese exponentiellen Dynamiken von technischer Entwicklung nicht versteht oder nicht ausreichend in seinem Geschäftsmodell berücksichtigt, kann schnell den Anschluss verlieren – Anschluss an Kunden aber auch an potenzielle Geschäftspartner. 

Doch warum fällt es uns so schwer, das Entwicklungspotenzial der Technologien richtig einzuschätzen? Die Antwort: Menschen denken linear. Deswegen werden Technologien zu Beginn der Entwicklung meist überschätzt, langfristig aber tendenziell unterschätzt. Dies wurde 1965 durch den Intel Ingenieur Gordon Moore erstmals beschrieben – später bekannt als Moore´s Law, einer der wesentlichen Theoriegrundlagen der „digitalen Revolution“. 

Unsere Gesellschaft lebt in Zeiten exponentieller Technologien natürlich auch mit der Gefahr einer Spaltung zwischen der Gruppe digital affiner Bevölkerungsschichten und Digital Natives sowie einer Gruppe von Menschen, die wachsende Schwierigkeiten mit der Veränderungsgeschwindigkeit unserer Zeit hat. Letztere haben aufgrund geringer Affinität, teilweise des Alters oder fehlender Berührungspunkte im Alltag nicht gelernt, mit den schnelllebigen digitalen Innovationen Schritt zu halten. Mit allen technischen Möglichkeiten geistern zudem Begrifflichkeiten durch die Medien, die vielen Sorgen bereiten und Ängste schüren: „Totale Transparenz“, „gläserner Konsument“, „ständige Verfügbarkeit“ oder gar Arbeitsplatzverlust aufgrund anhaltender Automatisierung und Artificial Intelligence. Auf gesellschaftlicher und staatlicher Ebene wird versucht solchen Ängsten entgegenzuwirken, Konkurrenzfähigkeit zu steigern und die eigene Bevölkerung in den  Veränderungsprozess miteinzubeziehen. Zwei der vielen guten Beispiele in Deutschland hierfür sind, die von der Bundesregierung verabschiedete Strategie zu Künstlicher Intelligenz oder die vom BMBF initiierte Plattform für Lernende Systeme.                  

Es gilt bei jeder Veränderung – sei der Auslöser auch eine sich schnell entwickelnde Technologie – nie zu vergessen, dass es einem zeitlichen Horizont bedarf um Neues zu implementieren und eine breite Akzeptanz zu schaffen. Hier kommt der „CULTURE Factor“ oftmals ins Spiel. Ein Beispiel ist Bargeld. Während die skandinavischen Länder, allen voran Schweden, davor stehen ihre Bezahlsysteme weitgehend zu digitalisieren, werden in Deutschland aktuell noch rund 80 Prozent aller Transaktionen mit Bargeld durchgeführt. Es gilt also in jedem Geschäftsmodell globale Trends zu erkennen, Veränderungen zu treiben, jedoch auch lokale Gegebenheiten zu berücksichtigen, um in diesem Markt erfolgreich zu sein. Dieselbe Formel gilt für unsere gesellschaftlichen Veränderungen und das Ziel neue Technologien zum Guten für unsere Gesellschaft einsetzen zu können.